"Tatort"-Missgeschick aus Thüringen: Würdelos in Weimar - SPIEGEL ONLINE
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Was ist mit dem Weimar-"Tatort" los? Zwischen "Titanic"-Laienaufführung und interner Ermittlung verpatzen Christian Ulmen und Nora Tschirner die wenigen möglichen Pointen.
Der Dampfer säuft schon nach einer Viertelstunde ab. Da sieht man im Weimarer "Tatort", wie eine örtliche Laienspielgruppe das Finale einer Schmalspur-Musical-Version des Breitwand-Melodrams "Titanic" aufführt. Aus den Lautsprechern dröhnt Celine Dions "My Heart Will Go on", eine Pappattrappe des Unglückskahns hängt schief im Bühnenhintergrund, mit einem flatternden weißen Laken wird schwerer Seegang imitiert, die Darsteller kämpfen sich mit dramatisch rudernden Armen an die Oberfläche, dann werden sie unter dem brausenden Textil begraben.
Eine tolle Szene, albern und herzzerreißend zugleich. Leider bleibt es die einzige tolle Szene in diesem "Tatort". Sie wirkt ein bisschen wie ein Kommentar auf diesen Comedy-Krimi, der über weite Strecken ebenso schlecht getaktet und windschief zur Aufführung gebracht wird wie die Laien-"Titanic".
Am Anfang kommt Kommissar Lessing (Christian Ulmen) ins Gefängnis, weil aus seiner Dienstwaffe ein tödlicher Schuss auf einen Schrottplatzbesitzer abgegeben wurde, der des Mordes verdächtig ist. Die interne Ermittlerin, eine grantige Dame namens Kern, die noch ein private Rechnung mit dem Weimarer Revier offen hat (Nina Proll), wirft Lessing vor, Selbstjustiz begangen zu haben und steckt ihn in Untersuchungshaft, wo er bedröppelt auf die dicken Gitterstäbe starrt. Würdelos in Weimar.
Als Kommissarin Dorn (Nora Tschirner) versucht, ihren Kollegen und Ehemann mit Ermittlungen auf eigene Faust rauszuhauen, gerät sie unter anderem in die bewegende "Titanic"-Aufführung. Denn es spielt dort auch die Schwägerin des verdächtigen Schrottplatzbesitzers (Katharina Marie Schubert aus dem Frankfurter Achtzigerjahre-"Tatort") mit - die unter falscher Identität eine Affäre mit dem leicht entflammbaren Schupo Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) hat. Einmal haucht sie ihr Liebesopfer zart an: "Wir halten doch zusammen." Darauf Lupo: "Wie Essig und Öl."
Ein großer Schlamassel
Wir können aus diesem Weimar-"Tatort" Dialoge zitieren - die Handlung aber kriegen wir beim besten Willen nicht rekonstruiert. Neben Schrottpressen und Schrotttheatern, so glauben wir uns zu erinnern, spielen auch Geisterbeschwörungen und indische Statuen eine Rolle. Es ist ein großer Schlamassel.
Bislang wurden alle "Tatorte" aus Weimar von dem Autorenteam Murmel Clausen und Andreas Pflüger geschrieben. Meisterstücke des absurden Witzes waren das oft, in der auf virtuose Weise die Krimi-Schnurre mit den großen Momenten Kulturgeschichte verbunden wurden. Da wurde in der thüringischen Stahlkocherküche auch schon mal fröhlich eine Feuerzangenbowle aufgesetzt und dabei der düstere Denker Kierkegaard zitiert. Nur selten kam es einem dabei so vor, als ob da etwas nicht zusammenpasste.
Bei der Folge "Die harte Kern" (Regie: Helena Hufnagel) hat man nun das Gefühl, dass da gar nichts zusammenpasst. In Auftrag gebegeben wurde der "Tatort" bei dem Autorenteam Sebastian Kutscher und Deniz Yildizir; weil man mit dessen Arbeit offensichtlich unzufrieden war, holte man kurz vor Dreh doch wieder Clausen und Pflüger dazu, sie firmieren jetzt als verantwortlich für die Dialoge.
Clausen wird erfreulicherweise auch in Zukunft für den Weimar "Tatort" schreiben - den aktuellen konnte er aber nicht retten. Die ganze Folge wirkt tragisch verstolpert, die wenigen Pointen darin werden konsequent verpatzt. Als ob die Schauspieler schon beim Lesen des Drehbuchs alle Hoffnungen aufgegeben haben.
Ganz am Anfang soll der verdächtige Schrottplatzhändler, der später erschossen wird, verhaftet werden. An einer Krücke humpelt er ganz langsam den Polizisten davon, Kommissar Lessing attestiert ihm beim Handschellenanlegen: "Sie haben ja einen Fluchtinstinkt wie eine Schildkröte." Ein Tier, das insgesamt ganz gut als Vergleich fürs trödelige Tempo und Timing in diesem "Tatort" taugt.
Bewertung: 2 von 10 Punkten
"Tatort: Die harte Kern", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD
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2019-09-20 07:36:03Z
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